Pokémon GO ist kein Kinderspiel

Köln Ehrenfeld, in der U4 Richtung Köln Messe Deutz. Drei Checker (ca. 25-26 Jahre) mit HTC-Smartphones in der Hand. Folgender Dialog:

Checker eins: „Ey isch weiß nicht, wo findst du die’n alle?“

Checker zwei: „Ja isch hab die schon alle, krass Glurak und so, weißte, einfach so gefangen!“

Wow, Glurak, denke ich und stupse mein kleines Starterpokemon Glumanda zutraulich an. Wers glaubt…

Pokémon GO ist seit letzter Woche offiziel in Deutschland im App-Store erhältlich und wurde mittlerweile über 1 Million Mal heruntergeladen. Ein Hype, der in vollem Wachstum ist und ich glaube, da kommt noch einige. Pokémon GO ist ein Spiel, das dich raus vor die Türe schickt – Pokémon fangen in real. Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Couchpotatoes und Kellergamer – könnte man meinen. Tatsächlich sind sie draußen unterwegs und ein paar Kids mussten nach 30 Minuten Fußmarsch sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wenn du dich bewegst, bewegt sich auch dein Avatar im Spiel. Und so bin ich in den letzten Tagen mehr in meinem Heimatort herumgelaufen, als die Monate zuvor.

Zurück zum Spiel: Catch them all, in dem Fall die 151 Original Kanto-Pokémon, der ersten Edition. Also kein Hunduster, Griffl und Schlagmichtot. Geil, die kann ich nämlich noch alle beim Namen und erkenne sogar die Silhouetten im Spiel.

1995 kam Pokémon erstmalig mit der roten und der blauen Edition auf dem GameBoy raus und ich habe es als Kind abgöttisch geliebt. Und genau mit Pokémon GO werden die Fans und Trainer von damals abgeholt. Nostalgiefaktor 10. Ich sehe hier im Ort zwar häufig Grüppchen von Jungs um die 14-16 Jahren, die beim laufen auf ih Handy starren, aber es gibt auch viele Spieler 25+ und das finde ich super!

Screenshot_2016-07-17-15-54-46Pokémon Go ist gerade erst aus der BETA raus und kränkelt leider noch ziemlich an dem plötzlichen Ruhm und den tausenden neuen Spielern, die am Wochenende erstmal den Server lahmgelegt haben. Den ganzen Tag grüßte einen beim Login folgender frustrierender Screen.

Angeblich hilft ein Neustart der App – denn eine gewisse Anzahl an Spielern wird schon auf dem Server zugelassen. Aber mit all den Lags und Bugs innerhalb des Spiels kommt bei mir erstmal kaum Freude auf. Pokémon tauchen entweder gar nicht auf oder verschwinden, bevor ich sie fangen kann. Pokéstops, das sind bedeutende Punkte in der realen Umgebung wie Gebäude oder Wahrzeichen, an denen man sein Inventar mit Pokébällen und anderem auffüllen kann, bleiben weiß und laden nicht. So bleibt meine erste, einstündige Tour durch den Park, anschließenden Wald UND den Friedhof erstmal erfolglos, denn es tauchen keine Pokémon auf.

Fazit: Wenn man gar nichts findet, liegt es am Server, dann kann man genauso gut erstmal pausieren. Pokémon findet man außerdem eher auf den Straßen und in der City als in der freien Natur. Macht logisch gesehen keinen Sinn, scheint aber so zu sein.

Ein Tutorial gibt es zu Pokémon Go (bisher) nicht. Der Trainer muss alles für sich allein herausfinden. In meinem Fall zum Beispiel dass das Samsung Galaxy A3 keinen eingebauten Gyrosensor hat und daher die AR (Augmented Reality) Funktion nicht unterstützt wird. Damit sieht man ein Pokémon beim Kampf durch die Kamera in seinem realen Umfeld. Zum Beispiel ein Taubsi auf der Klobrille… Man kann Pokémon GO zwar auch ohne AR-Funktion spielen, aber es macht bedeutend weniger Spaß.

Am Montag morgen funktioniert endlich alles und ich habe einen Run: Taubsi, Raupi, Evoli, Ratfratz, Rattikarl, Paras und Parasek in 15 Minuten auf dem Weg zur Arbeit gefangen.

Hat man Level 5 erreicht und betritt eine Arena, kann man sich einem der drei Teams (Gelb: Intuition, Blau: Weisheit, Rot: Wagemut) anschließen. Zapdos der Donnervogel ist geil, das Maskottchen von Team Gelb, Gelb schon seit Kindertagen meine Lieblingsfarbe … und überhaupt spricht mich Intuition mehr an als „Ich will der Allerbeste sein!“ aka Rot oder „Kämpfen? Ihr Unwissenden, ich studiere erstmal die Geschichte der Pokémon…“ aka Blau.

(Das ist nur meine persönliche Meinung, möge sich jetzt niemand auf sein Pikachu getreten fühlen) Fakt ist, dass in meiner Kleinstadt fast sämtliche Arenen von Team Rot belegt sind ich bei meiner ersten Herausforderung von einem Rossana plattgemacht wurde.

Davon bekomme ich allerdings dank failender AR nichts mit – ich sehe nur die Wiese auf meinem Display und unheilvolles „KRATZ! BATSCH! BÄM! ZISCH!“– und dann war’s auch schon vorbei. Lustig war es irgendwie trotzdem. Naja, wenn mein Glumanda erstmal zu Glurak mutiert ist, trete ich dem werten Rosanna in den Allerwertesten.

Screenshot_2016-07-18-14-03-45Habe ich eigentlich erwähnt, dass man am Kölner HBF ein Dragonir fangen kann? Die wirklich seltenen Pokemon tummeln sich gerne bei Touristenattraktionen.

Ein Wort der Warnung noch: Es hat bereits die ersten Unfälle wegen Pokémon Go gegeben: Menschen die vor Laternen und Autos laufen, beim Fahren spielen und gegen einen Baum donnern. Letzteres ist ziemlich dämlich, da das Spiel ab einer Fortbewegungsgeschwindigkeit von 20Km/h nicht mehr mittrackt. Man kann also (leider) auch nicht während der Zugfahrt ein PokéEi ausbrüten, für das man 2, 5 oder 10km laufen muss. Angeblich soll es aber funktionieren, das Smartphone auf einem Plattenspieler rotieren zu lassen …. Eine tolle Erfindung wäre auch ein Umhängetäschchen für Hund und Katze, wo das Smartphone reinkommt. So kann man das Brüten dem Haustier überlassen.

Fazit: Pokémon GO rockt! Wenn in Zukunft noch Pokekämpfe gegen andere Trainer und die Möglichkeit, Pokémon zu tauschen implementiert werden, wird das dem Spielspaß noch einmal einen zusätzlichen Boost geben. Ich hoffe nur, dass nicht irgendwann sämtliche Arenen von LVL100 Legendary Pokémon besetzt sind…

Tipps zu Fundorten etc. gibts auf pokemon-finden.de

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